Phönix aus der Asche: Wein von Lanzarotes Feuerbergen

Der runde Geburtstag eines Freundes brachte mich vor zwei Wochen nach Lanzarote. Ich entdeckte wundervolle Strände, eine beeindruckende Vulkanlandschaft – und eine weltweit einzigartige Weinbau-Methode…

Die Insel

Was sich aktuell auf der Schwester-Insel La Palma abspielt, passierte 1730 auf Lanzarote: Glühend heiße Lavamassen strömten über die Insel und zerstörten den Lebensraum von Mensch, Tier und Pflanzen. Feuerflüsse und Ascheregen begruben ganze Dörfer für immer unter sich.

Sechs Jahre vulkanische Aktivität hatten das Bild der Insel komplett verändert. Auf einer Linie entlang der Eruptionsspalten waren Berge entstanden: Die Montañas del Fuego, Lanzarotes Feuerberge. Diese karge und doch ehrfurchtgebietende Landschaft kann man im Timanfaya Nationalpark bestaunen.

Weinbau auf Lanzarote

Lanzarotes Weinbauflächen genießen seit 1993 den Status der D.O. (=Denominación de Origen). Außer dem Bereich Ye-Lajares im Norden liegen Lanzarotes Weinberge im Herzen der Insel. La Geria heißt die südlichste Weinbau-Subzone der D.O. Lanzarote, sie stellt nicht nur die größte Anbaufläche Lanzarotes, sondern die größte aller Kanarischen Inseln.

Picón – Lanzarotes schwarzer Schatz

Vulkanböden sind trotz ihres dürren, leblosen Aussehens enorm fruchtbar, denn sie enthalten sehr viele Mineralien. Aus diesem Grund eignen sie sich hervorragend für Weinbau. Eine Besonderheit Lanzarotes ist der Einsatz von Vulkanasche im Weinberg, der die Anbaumethode der Insel charakterisiert.

Nach dem Ausbruch war das ganze Gebiet La Geria von einer schwarzen, grobkörnigen Ascheschicht bedeckt. Unter dieser, als Picón bezeichneten Asche, waren die fruchtbaren Böden begraben. Deshalb wollte man die zwischen ein und drei Metern dicke Picòn-Decke abtragen, um wie vor dem Ausbruch Getreide zu pflanzen. Getreide benötigt relativ wenig Wasser – für Lanzarote mit weniger als 20 Regentagen im Jahr ideal.

Beim Entfernen der Picón-Schicht aber entdeckte man etwas, das die Initialzündung für den Weinbau auf Lanzarote gab…

Beim Abtragen der Vulkanasche, die die fruchtbare Erde bedeckte, machte man eine wichtige Entdeckung: Die Erde unter dem Picón war feucht. Erstarrte Lava ist hygroskopisch, das heißt, sie zieht und bindet Luftfeuchtigkeit. Die Feuchtigkeit kondensiert in den porösen Picón-Kieseln und tropft von da in die darunter liegende Erde. Diese Entdeckung war ein Meilenstein im Kampf gegen den steten Wassermangel auf der Insel. So konnte man auch etwas anderes als Getreide anbauen. Also blieb die Picón-Schicht, und man pflanzte Obst, Kartoffeln – und Rebstöcke.

Hoyo – Das schwarze Loch

Die Rebstöcke wurzeln im fruchtbaren Mutterboden der Insel – der aber bedeckt ist von der teilweise bis zu drei Meter dicken Picón-Schicht. Um unter den Picón zu gelangen, entwickelten die Weinbauern eine einzigartige Anbautechnik, die zum Markenzeichen der D.O. Lanzarote wurde und vor allem die Anbaufläche La Gerias prägt: Hoyos.

Hoyos sind in die Vulkanasche gegrabene Mulden mit zwei Rebstöcken im Zentrum und einer Schutzmauer aus Lavastein. Diese Mauern, „Soco“ genannt, schützen die Reben gegen den konstant wehenden Passatwind.

Hoyos zu graben ist anstrengende und aufwändige Arbeit für Lanzarotes Winzer. Die Hoyos entstehen durch die Handarbeit der Weinbauern, da der kieselige Picón mechanische Bearbeitung nahezu unmöglich macht.

Erst gräbt der Winzer das Loch in die Asche, dessen Größe sich nach der Tiefe der Picón-Schicht richtet. Der Durchmesser eines Hoyo kann bis zu acht Metern betragen. Dort hinein setzt er seine Rebstöcke, immer zwei pro Hoyo. Bei der Ernte ist äußerste Vorsicht geboten, dass die Hoyos nicht einstürzen und sie müssen hinterher neu bearbeitet werden.

Viel Arbeit, wenig Ertrag

Diese Anbaumethode schließt eine hohe Pflanzdichte aus, deshalb verzeichnet die D.O. Lanzarote die geringsten Erträge Europas.
Obwohl in den nördlicheren Anbauzonen Lanzarotes durch eine dünnere Picón-Schicht ergiebigere Anbaumethoden wie z.B. in Gräben oder Terrassen möglich sind, lohnt sich der hohe Aufwand nicht. Das Ergebnis aus geringen Erträgen, Handarbeit und nährstoffreichem Vulkanboden ist zwar eine sehr gute Qualität der Weine, aber die produzierte Menge ist zu gering für den erzielten Marktpreis.

Allerdings ist diese Methode, Wein anzubauen weltweit einzigartig. Deshalb subventioniert die Inselregierung den Weinbau, um auch die außergewöhnliche Kulturlandschaft La Gerias zu erhalten. So kann man die Basisqualitäten schon zwischen 10€ – 15€ pro Flasche kaufen, obwohl sie wesentlich teurer in der Produktion sind.
Die Weine werden kaum exportiert. Was Lanzarote an Wein produziert, wird hauptsächlich auf der Insel selbst – zum Großteil von den Touristen – konsumiert.

Rebsorten

Eine weitere Besonderheit auf Lanzarote ist, dass alle Rebstöcke wurzelecht sind, denn die kanarischen Inseln blieben von der Reblaus verschont.

Vijariego oder Diego ist eine weiße Sorte, die es nur noch sehr wenig auf der Insel gibt. Sie erbringt leichte, säurebetonte Weine mit zurückhaltendem Aroma. Wegen ihres Säuregehalts wird sie als Verschnittpartner geschätzt.

Moscatel (Muscat d‘ Alexandrie) wird überall auf der Insel angebaut. Die aromatischen Trauben entwickeln durch das sonnige Wetter sehr viel Zucker, was sie ideal für Süßweine macht.

Auch Listán Blanca oder Palomino kommt für Weißwein zum Einsatz, meist im Süden in La Geria. Die rote Spielart Listán Negra ist die wichtigste rote Sorte auf Lanzarote. Sie wird hauptsächlich in der nördlichen Subzone Ye-Lajares kultiviert und erbringt mittlere Qualitäten mit beerigen Noten.

Die Hauptrebsorte, die 3/4 der Rebfläche auf Lanzarote einnimmt, ist die weiße Malvasia. Daraus wird die besondere Spezialität der Insel gekeltert:

Malvasía Volcánica – Das Gold der schwarzen Insel

Malvasía Volcánica heißt das Aushängeschild von Lanzarotes Weinen. Diese Bezeichnung ist weinrechtlich nicht offiziell, aber Weine mit dieser Benennung sind bekannt und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Die auf Lanzarote kultivierte Malvasia ist eine völlig eigenständige Sorte. Sie entstand durch eine natürliche Kreuzung der auf Lanzarote heimischen Marmajuelo mit der ursprünglich aus Griechenland stammenden Malvasia. Dieser Urtyp der Malvasia-Traube findet sich auf La Palma und Teneriffa, was Lanzarote wieder zu etwas Besonderem macht: Sie ist die einzige Insel, die diese Hybrid-Sorte aufweist.

Die Malvasía Volcánica präsentiert sich aromatisch, mit hoher Säure und Noten nach Zitrus, tropischen Früchten und Kräutern.

Das vulkanische Erbe als charakteristisches Markenzeichen der Inselweine wird auch optisch wundervoll umgesetzt:

Weinstile

Lanzarote produziert trotz der geringen Mengen das komplette Spektrum an Weinstilen. Es gibt die trockenen Secos, die von leicht und frisch bis hin zu körperreich und mit Holzeinsatz zu haben sind. Die Semi-Dulces sind halbtrockene bis liebliche Weine, die vorallem bei den Touristen sehr beliebt sind.

Die Gewächse im Süßwein-Bereich gibt es als Vinos Naturalmente Dulces mit bis zu 100 gr Restzucker oder als gespritete Vinos de Licor, also mit Weingeist angereicherte Dessertweine. Diese gespritete Variante war schon im 16. Jahrhundert als „Canary Sack“ bekannt, und vor allem in England beliebt. Sogar Shakespeare verewigte ihn in seinen Dramen.

Bodegas

Auf Lanzarote gibt es derzeit 19 Bodegas. Zwei davon habe ich während meines Urlaubs besucht: La Geria im gleichnamigen Anbaugebiet La Geria und El Grifo in Masdache.

La Geria

Die Bodega La Geria bietet Verkostungen und Verkauf in einer kleinen Weinstube an, in der man auch nette Souvenirs kaufen kann. Von der integrierten Tapas-Bar hat man einen fantastischen Blick auf die Hoyos und die Feuerberge am Horizont. Die Bodega existiert seit Ende des 19. Jahrhunderts und ist eine der bedeutendsten Bodegas der Insel.

La Geria produziert Malvasía Volcánica als Secos, Semi Dulces und Dulces, süßen Moscatel und drei Rotweine. Die Weine gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen, und eine Linie ist Bio-zertifiziert.

El Grifo

Die 1775 gegründete Bodega ist das älteste Weingut auf den Kanaren und seit seiner Wiederbelebung in den 1980er Jahren der führende Erzeuger Lanzarotes. In den Räumen der alten Bodega kann man heute ein Weinbaumuseum besichtigen, und in den Weinbergen stehen sogar noch einige Rebstöcke aus dem 19. Jahrhundert.

El Grifo erzeugt 18 verschiedene Weine, darunter ein nach Méthode Traditionelle produzierter Schaumwein. Meine Favoriten bei der Verkostung waren der frische, dezentfruchtige Vijariego, der klassische Malvasía Volcánica und der in der Solera gereifte Moscatel.

Verkostung

Von beiden Weingütern habe ich mir einen Malvasía Volcánica mitgenommen. Leider kam ich noch nicht dazu, beide zu verkosten, aber das wird in den nächsten Wochen nachgeholt und hier im Post nachgetragen!

Lanzarote ist eine wunderschöne Insel. Sie hat eine andersartige, aber atemberaubende Landschaft, deren Schönheit sich mir erst nach einiger Zeit erschloss. Die Weine dort sind eine Besonderheit, aber absolut begeistert war ich vom Meer und dem kaum frequentierten Badestrand… 😀

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