Fremdgegangen…

Vor einigen Wochen bin ich fremdgegangen. Interesse habe ich schon seit Jahren an ihm, nie werde ich den Abend unserer ersten Begegnung vergessen. Ich mag alles an ihm: Sein Aussehen, seinen Geruch und seine Weltoffenheit. Leider hatte ich stets das Gefühl, mich an ihm zu verbrennen, er war mir immer zu stark. Aber ich weiß jetzt: Sein Feuer kann ich mit etwas Wasser bändigen.

Woher ich das weiß? Bei dem Whisky-Seminar vor einigen Wochen lernte ich, dass es beim Whisky – anders als beim Wein – nicht an Blasphemie grenzt, Wasser zuzugeben. Das Wasser verdünnt den Alkohol und nimmt dem Whisky die Schärfe. Aber auch die Aromatik kann durch das Wasser zum Teil viel subtiler wahrgenommen werden.

Es gibt noch mehr Unterschiede zwischen Whisky und Wein – aber auch ein paar Gemeinsamkeiten…

 

Heißt er Whisky oder Whiskey?

Die Schreibweise des flüssigen Goldes mit oder ohne „e“ ist nicht richtig oder falsch, es existieren beide Möglichkeiten. Allerdings ist es nicht egal, welche man benutzt. Whisky aus Schottland oder Japan wird ohne „e“ geschrieben, mit „Whiskey“ meint man irischen oder amerikanischen.

Wie entsteht Whisky?

Der Grundstoff des Whiskys ist Getreide. Meistens benutzt man Gerste, aber auch Roggen oder Mais. Wie beim Wein, bzw. jedem alkoholischen Getränk, wandeln Hefen Zucker in Alkohol um. Da Gerste anders als die Trauben beim Wein, keinen Zucker sondern Stärke enthält, muss die Stärke erst in Malzzucker umgewandelt werden. Diesen Prozess, bei dem man die Gerste zum Keimen bringt, nennt man Mälzen. Der nächste Schritt ist das Maischen. Dabei wird die gemälzte Gerste geschrotet und mit heißem Wasser übergossen, um den Zucker herauszulösen. Nun wird Hefe zugegeben und die Gärung beginnt. Die fertig vergorene Flüssigkeit, eine Art Bier, wird dann destilliert.

Woher bekommt der Whisky seinen Charakter?

Der Charakter des Weines wird hauptsächlich von der Rebsorte geprägt, außerdem vom Terroir und von Ausbau und Reife. Beim Whisky ist es umgekehrt: Seinen Charakter prägen vor allem die Reife im Eichenfass, die Brennblase der Destillieranlage sowie das Wasser, das verwendet wird. Die Gerstensorte und deren Anbaugebiet haben kaum Bedeutung, und oftmals wird Malz aus verschiedenen Sorten unterschiedlicher Herkunft für einen Whisky zusammen verarbeitet. Sorte und Terroir sind beim Whisky also kein Thema. Die Reife formt sowohl den Charakter des Weines als auch den des Whiskies, sie macht beide weicher und runder.

Auch Whisky ist ein toller Essensbegleiter. Da ihm Inhaltsstoffe wie Säure, Tannin und Zucker fehlen, ist ein Foodpairing mit Whisky wesentlich unkomplizierter als mit Wein.

Whisk(e)y wird – wie Wein – mittlerweile fast überall auf der Welt produziert. Die klassischen Länder sind natürlich Schottland, Irland und die USA, allerdings zählt auch Japan in puncto Qualität seit Jahren zur Weltspitze. Auch bei uns in Deutschland wird mittlerweile Whisky produziert, die meisten der ca. 150 Brennereien sind jedoch noch weitgehend unbekannt.

Ich finde Whisky ein faszinierdendes Getränk und bin von kleinen Flirts auch in Zukunft nicht abgeneigt, bleibe dem Wein aber auf jeden Fall treu. Deshalb habe ich mich besonders über folgendes Fundstück gefreut:

2012 Cuvée „Heavy Peated“, Weingut Pasler, Burgenland / Sushi and Soul, München

Diese Cuvée aus Zweigelt und ein bißchen Blaufränkisch wurde in einem Ex-Whisky-Fass ausgebaut. „Peated“ heißt „getorft“ und bedeutet, dass die gemälzte Gerste über einem Torffeuer getrocknet wurde. Dadurch erhalten peated Whiskies ihre rauchig-torfige Note.

Im Glas klar und purpur. In der Nase intensiv, rauchig, aber auch eine schöne Fruchtnote nach Kirschen und dunklen Beeren, später auch etwas Vanille und Räucherspeck. Er schmeckt krasser als er riecht – auch in der Nase dominiert die BBQ-Note, aber die Frucht ist präsent. Am Gaumen ist der Antritt rauchig-fruchtig, jedoch verschwindet die Frucht relativ schnell, um Platz für Whiskygeschmack zu machen: Brennende Grillkohle mit etwas leicht steinig-teerigem, das ganz lang ausklingt. Die milde Säure und das weiche Tannin sind sehr angenehm, der Alkohol verleiht ihm eine passende Wärme.

Ich finde ihn interessant, auch ganz passabel, aber ich glaube, mit einer kräftigeren Rebsorte wäre er spannender. War mit 25€ nicht ganz billig, den Spaß aber wert. An alle Grill-Fans: Das ist definitiv DER Wein für’s Steak!

Sláinte! 🙂

 

 

 

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