Advents-Trinken III

Jeden Sonntag im Advent entkorke ich – stellvertretend für jede neu entzündete Kerze auf dem Adventskranz – eine Flasche, um den „Geist der Wei(h)nacht“ frei zu lassen.

3. Advent

2009 Ansela van de Caab, Muratie, Stellenbosch, Südafrika

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Die Rebsorte: Dieser Wein ist ein klassischer Bordeaux-Blend vom Kap aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.

Cabernet Sauvignon: Ist weltweit die meistangebaute rote Sorte. Die Trauben sind dickschalig und reifen spät. Die tannin- und säurereichen Weine lassen sich durch ihr Cassisaroma charakterisieren. Cabernet Sauvignon profitiert vom Ausbau im Fass, der den Weinen erstaunliche Komplexität verleihen kann. In den Bordeaux-Verschnitten mit Merlot trägt die Sorte zu Struktur und Langlebigkeit der Weine bei.

Merlot: Die rote Merlot-Traube stammt ursprünglich aus dem Bordeaux-Gebiet, wird aber weltweit kultiviert und ist unter den Top 5 der meistangebauten Rebsorten. Sie reift früh und erbringt dunkle, vollmundige Weine mit samtigen Tanninen und Aromen von Kirschen, Pflaumen und Kräutertee. Merlot ist ein guter Partner in Cuvées, meist mit Cabernet Sauvignon, und eignet sich sehr gut für den Ausbau im Fass.

Cabernet Franc:  Die dritte rote Hauptrebsorte, die im Bordeaux verwendet wird. Dort kommt sie hauptsächlich im Libournais als Verschnittpartner für Merlot zum Einsatz. Die Weine verfügen über eine frische Säure und sind weniger körper- und tanninreich als die von Cabernet Sauvignon. Reinsortig ausgebaut findet man Cabernet Franc an der Loire.

Das Anbaugebiet: Stellenbosch liegt ca. 60 km nordöstlich von Kapstadt. Erfolgsfaktor des Gebiets ist der Mix aus idealen klimatischen Bedingungen, verschiedensten Bodentypen und unterschiedlichen Höhenlagen. Stellenbosch ist bekannt für Spitzenweine aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah, meist als Bordeaux-Verschnitt oder Cape Blend (ein Verschnitt aus internationalen Sorten mit Pinotage), aber auch reinsortig. Südafrikanische Weine, auch aus anderen Gebieten, genießen international einen sehr guten Ruf, da in den letzten 20 Jahren die Qualität der Weine kontinuierlich verbessert wurde.

Das Weingut: Muratie liegt an den Ausläufern des Simonsberg im Norden Stellenboschs. Es wurde 1685 gegründet und ist eines der ältesten Weingüter Südafrikas. Die Geschichte des Weingutes ist in jedem Winkel präsent, und man legt großen Wert darauf, die Erinnerungen an die Menschen zu bewahren, die das Anwesen im Laufe der Jahrhunderte auf ihre besondere Art prägten.

„Every wine tells a story“ ist das Motto, das die Geschichte dieser Menschen mit den Weinen verflicht. Alle Weine tragen den Namen einer Person, die auf dem Weingut lebt/e und/oder arbeitet/e.

Auf Muratie wurde 1927 der erste und über Jahre hinweg einzige Pinot Noir Südafrikas gekeltert.

Der Wein: Klares, tiefdunkles granatrot. Sehr geheimnisvolles und vielschichtiges Bukett nach dunklen Beeren, Rooibos-Vanille-Tee und Rosenpaprikapulver. Mit etwas Luft entwickelt er einen hypnotisierenden Duft von dunklen Früchten, Rumtrauben, Süßholz und Lakritz. Am Gaumen ist er fruchtig-würzig, das Eichenfass klar schmeckbar. Nicht so komplex wie in der Nase, aber wärmend und kraftvoll mit samtigen Tanninen.

Passt sagenhaft zur kalten Platte mit Scheiben vom Roastbeef, leicht gereiftem Weichkäse und Salami mit kross gebackenem Baguette. Dafür ist er eigentlich zu schade, ein festlicher Braten wäre angemessener. Er lässt sich schön trinken, das macht ihn zu einem Wein zum „Festhalten“, also geeignet für den Rest des Abends nach dem Essen. Seine Wärme und Tiefe hüllen ein, aber er spielt sich nicht in den Vordergrund.

Ansela van de Caab ist ein sogenannter „Estate Wine“. Das bedeutet, dass die Trauben nur von gutseigenen Weinbergen einer bestimmten Lage stammen dürfen, in diesem Fall Simonsberg-Stellenbosch.

Ansela war der Name einer kapstädter Sklavin, in die sich der Gründer von Muratie, ein deutscher Soldat namens Laurens Campher, verliebte. Anselas Sklavenstatus verbot es den beiden, zu heiraten. Zusammen hatten sie drei Kinder, und er besuchte seine Familie regelmäßig in Kapstadt, obwohl der Fußmarsch von Stellenbosch aus drei Tage dauerte. 1699 wurde Ansela getauft und aus der Sklaverei entlassen. Campher heiratete sie, und sie lebten gemeinsam auf der Farm, die sie erfolgreich führten.

Dieser Wein erhielt 4∗ im Platter’s, sowie eine Goldmedaille im IWSC (International Wine & Spirit Competition) Quality Award 2012.

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8 Kommentare zu „Advents-Trinken III“

  1. Ich hatte bisher den 2009er und den 2010er. Der 2010 fiel ziemlich stark ab gegenüber dem 2009er (den fand ich richtig gut), zumindest in meiner Erinnerung. Ich habe beide noch im Keller, ein direkter Vergleich lohnt sich vielleicht. Cheers!
    P.S.: bist du auf Vivino aktiv?

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  2. Ich auch nicht. Hab den Tipp von Heike Larsson („pfalzweinproben“, auch hier auf wordpress). Ist ne App und auch ne Website. Ich nutze nur die App, bin bisher begeistert. Habe innerhalb kurzer Zeit jede Menge Kontakte aus aller Welt geknüpft. Weinfreunde sind ne super Gemeinschaft. 🙂

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