Prosecco ist out, …

… man trinkt jetzt Crémant“, klärt die junge Dame am Nebentisch ihre Freundin auf. Mehr von der Unterhaltung bekomme ich leider nicht mit, weil jetzt auch meine Freundin eintrifft, und wir in unser eigenes Gespräch eintauchen. Das Statement aber beschäftigt mich. Was erhebt den einen Prickler zum Lifestyle-Getränk und entzieht dem anderen seinen Kultstatus? Und überhaupt: Crémant, was ist eigentlich?

Crémant:

Als Crémant bezeichnet man einen französischen Schaumwein, der nicht aus der Champagne kommt. Erzeugt wird er wie Champagner durch klassische Flaschengärung. Das bedeutet, dass der bereits vergorene, im Prinzip fertige Wein mit einem Zucker-Hefe-Gemisch (=Tirage) nochmals in eine Flasche gefüllt und mit einem Kronkorken fest verschlossen wird. Durch die Tirage setzt eine zweite Gärung ein. Der Kronkorken verhindert, dass die dabei entstehende Kohlensäure entweicht. Dadurch entstehen die Bläschen im Wein. Meist hat der Crémant weniger Kohlensäuredruck in der Flasche, weshalb die Perlen sanfter sind als beim Schampus.

In Frankreich obliegen jedem Weinbaugebiet traditionell bestimmte Rebsorten, deshalb ist die Zusammensetzung der Trauben z.B. bei einem Crémant d’ Alsace anders als bei einem Crémant de Bourgogne oder einem von der Loire. Entsprechend bietet er ein enorm vielfältiges Geschmacksspektrum. Zwar unterscheiden sich die Rebsorten der einzelnen Regionen, aber bestimmte Punkte bei der Produktion sind für alle vorgeschrieben. So muss er z.B. mindestens neun Monate auf der Hefe reifen und es gibt Ertragsbegrenzungen. Crémants gibt es in weiß oder rosé.

Und Prosecco?

Jeder kennt den leichten, spritzigen Italiener, den – zumindest bis jetzt – unangefochtenen Superstar unter den Partydrinks. Er dient als Grundlage für Aperol Sprizz, Hugo oder Bellini. Für viele ist Prosecco einfach ein Synonym für alles, was außer Champagner noch sprudelt, war ursprünglich aber eigentlich der Name der dafür verwendeten Rebsorte.

Seine wachsende Beliebtheit führte zur Massenproduktion ausdrucksloser Blubberwasser, abgefült in Flaschen mit chicem Design, aber oftmals fragwürdiger Qualität. Schnell war der Ruf dahin, weshalb man die kontrollierten Herkunftsbezeichnungen (DOC und DOCG)* für Prosecco einführte. Dadurch wurde „Prosecco“ zum Gebietsnamen, und die Rebsorte in „Glera“ umbenannt. Seine Heimat liegt im Nordosten Italiens. Das Gebiet, die DOC Prosecco, umfasst Teile Venetiens und des Friaul. Das Herzstück des Prosecco-Gebietes, die Gegend zwischen Valdobbiadene und Conegliano, hat DOCG-Status und liefert die besten Qualitäten.

Produziert wird er –im Gegensatz zum Crémant– meist mit dem Tankgärverfahren. Hier findet die Zweitgärung nicht in der Flasche sondern in einem Stahltank statt. Nach abgeschlossener Zweitgärung wird der Wein unter Druck in Flaschen abgefüllt. Hefelagerung gibt es beim Prosecco nicht, was ihm aber seine frische Leichtigkeit und Fruchtigkeit bewahrt.

Zurück zur Ausgangsfrage: Bleibt der charmante Italiener die Nummer eins? Oder avanciert der facettenreiche Franzose mit dem wohlklingenden Namen zum neuen Kultgetränk? Das ganze wird sich zeigen. Ich glaube allerdings: Weder noch.  Aus beiden lassen sich herrliche Aperitifs kreieren. Beide haben ihre speziellen Anlässe, zu denen sie perfekt zum Einsatz kommen. Beide sind in ihren jeweiligen Regionen Klassiker, kulturell verankert und stilvolle Begleiter zu bestimmten Gerichten.

„In“ ist, was zur jeweiligen Situation und Laune passt und was einem schmeckt. Trends kommen und gehen, aber Klassiker werden immer Bestand haben. Aus diesem Grund ist auch der Champagner nie wirklich aus der Mode gekommen.

*DOC und DOCG = Denominazione di Origine Controllata, bzw.                                          Denominazione di Origine Controllata e Garantita, sind geschützte Ursprungsbezeichnungen

2 Kommentare zu „Prosecco ist out, …“

  1. Leute, die bezüglich Essen und Trinken, aber auch bei Musik, Mode und was weiß ich noch nur den jeweiligen Trends folgen, haben selbst in der Regel überhaupt keinen Geschmack. Sie sind Herdentiere und nicht fähig, sich eine eigene Meinung zu bilden und damit ggf. auch mal anzuecken.
    Mir ist es völlig egal, was gerade in oder out ist, ich tue das, was mir Freude bereitet und beim Wein folge ich ebenfalls keiner Mode.
    Beim Crémant habe ich keine Erfahrung, beim Prosecco ist es wie mit den meisten Sorten beim Wein: von ganz schlecht bis ganz gut ist alles vertreten. Zuletzt habe ich wieder mal einen schönen Ferrari Trento DOC Brut genossen, noch nicht ganz die Oberklasse, aber eine Brause, die mir viel Spaß bereitet. Egel, ob sie jetzt gerade in oder out ist…

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