Das Blair-Chips-Projekt

Weinprobe mit Gruseleffekt

Am 31.10. ist Halloween. Ich habe mich von den ganzen Kostümen und Dekoartikeln in den Schaufenstern sowie den vielen Parties inspirieren lassen, und lade ein zu einer gruseligen Weinprobe. Wir gucken – passend zu Halloween – einen Horrorfilm, zum Snacken gibt es – passend zum DVD-Abend – Chips, und – passend zu mir – natürlich Wein. Nicht jeder meiner Gäste mag das Grusel-Genre, und so entscheide ich mich für einen Klassiker, der ohne Schocker-Soundtrack auskommt und, je nachdem, wie man ihn betrachtet, auch nicht wirklich horrormäßig ist: Blair-Witch-Project.

 Vorbereitungen

Die Idee: Wir schauen den Film und verkosten dabei unterschiedliche Chips-Sorten mit verschiedenen Weinen und bewerten, was am besten zusammen passt. Dazu bereite ich Verkostungsbögen vor, auf denen ich jeweils die Chips-Sorte sowie die Weine vermerke, die ganz normal einzeln, sowie als Food-Pair mit den Chips zu bewerten sind. Jeder Gast bringt eine Packung Chips mit, ich kümmere mich um die Weine.

Welcher Wein passt zu Chips_Verkostungsbogen

Welche Weine soll ich wählen? Nach einigen Überlegungen steht das Konzept: Ich wähle vier Weißweine und vier Rotweine, alles bekannte Rebsorten, nichts Kompliziertes und auch nicht festgelegt auf ein bestimmtes Anbaugebiet. Allerdings möchte ich je einen Weißwein und einen Rotwein aus dem Fass. Erstens wegen der Vielfalt, vor allem aber, weil die Röstaromen des Fasses sehr gut zu Chips mit BBQ-Geschmack passen dürften. Für Sorten mit Asia- oder anderem exotischen Style nehme ich noch einen halbtrockenen Weißwein mit in die Runde. Alles andere entscheide ich spontan beim Kauf.

Natürlich möchte ich für die perfekte Kartoffelchips-Wein-Kombi kein Vermögen ausgeben, das Verhältnis muss stimmen.  Deshalb gehe ich im Weinladen auf Schnäppchenjagd und werde schnell fündig. Außer den Flaschen mit dem Barrique-Chardonnay und dem Shiraz (je 7,95 €) liegen wir zwischen 4,50 € und 6 € pro Flasche. Diese Weine wären normalerweise teurer gewesen. Aber wie Klamottenläden haben auch Weinhandlungen Angebotsaktionen, zu denen sie ihre Weine günstiger verkaufen. Also schlage ich zu.

Bei der Verkostung rechne ich nach einiger Zeit mit einer gewissen Reizüberflutung durch die verschiedenen Gewürze der Chips. Deshalb besorge ich Brot zum Neutralisieren, das ich mit auf den Tisch stelle, und natürlich viel Wasser. Nach der Weißweinrunde plane ich eine kurze Pause zum Auflockern, für die ich passend zu Halloween eine Kürbissuppe koche.

Ablauf

Am Abend verteile ich die Verkostungsbögen, schiebe die DVD in den Player und gieße den ersten Wein in die Gläser. Wir beurteilen erst den Wein, verkosten dann die Chips, die wiederum für sich und in Verbindung mit dem Wein bewertet werden. Da viele meiner Gäste Wein-, und wir alle Chips-Laien sind, helfen uns die vorbereiteten Bögen, um dem ganzen etwas Struktur zu geben.

Zu Anfang sind wir alle konzentriert, unsere Sinne wach. Jeder riecht, schmeckt, überlegt, probiert evtl. nach, notiert. Es macht Spaß, sich bewusst auf die verschiedenen Geschmackserlebnisse einzulassen. Die verschiedenen Chips-Sorten unterscheiden sich nicht nur in der jeweiligen Geschmacksrichtung, sondern weisen enorme Unterschiede in punkto Knackigkeit, Würze und Mundgefühl auf. Dies alles im Zusammenspiel mit den Weinen überrascht mit neuen Sinneseindrücken.

Die Stimmung wird zunehmend ausgelassener. Wir stellen fest, dass die Kategorie „lauteste Chipssorte“ auf dem Bewertungsbogen fehlt. Bei einem Fernsehabend nicht wirklich unerheblich. Allerdings haben wir von dem Film so gut wie nichts mitbekommen, weil die Verkostung Spaß gemacht und uns beschäftigt hat. Was gut ist, weil so niemand auf seinem Heimweg Angst vor Hexen oder Monstern haben wird.

Auswertung

Es ließ sich eine Wein-Chips-Kombi ganz klar als „Perfect Match“ festmachen:

Ein südafrikanischer Sauvignon Blanc mit Rosmarin-Chips. Sehr interessant dabei: Sowohl der Wein als auch die Chips für sich genommen hatten bei uns allen nur schlechte bis mäßige Ergebnisse erzielt. Zusammen aber haben sie hervorragend harmoniert und sich geschmacklich gegenseitig unterstützt bzw. ausgeglichen.

Die Rosmarin-Chips waren uns alle im Vergleich zu den anderen Sorten überwürzt, womit aber der Sauvignon durch seine Intensität gut mithalten konnte. Der Sauvignon Blanc war bereits etwas gereift, so standen nicht mehr seine frischen, knackigen Aromen im Vordergrund. Er hatte mehr was von sehr reifem Obst und Zitronenmelisse, was von fast allen als unangenehm empfunden wurde. Durch die Geschmacksintensität der Chips relativierte sich dieser Eindruck. Außerdem empfanden einige den Wein als zu sauer, aber das Salz in den Chips pufferte seine Säure gut ab.

Die Rosmarin-Chips gingen auch relativ gut mit den Rotweinen, der Favorit dabei war ein französischer Malbec aus dem Stahltank.

Allgemein wurden die würzigeren Chipsorten mit den Rotweinen besser bewertet, weil Rotwein natürlich intensiver ist, als die meisten Weißweinsorten. Aber auch der halbtrockene Weißwein lag bei den kräftigen Sorten immer gut im Rennen. Zu den BBQ-Chips passte der Barrique-Chardonnay zwar, allerdings erzielte der halbtrockene mehr Punkte.

Zu den leichter gewürzten Chips-Sorten (z.B. nur sehr leicht gesalzene Naturchips oder Tomate-Basilikum) punkteten mehr die Weißweine, allen voran der Chardonnay und ein Grüner Veltliner. 

Fazit
  • Zu leichter gewürzten Chips-Sorten eignen sich Weißweine besser als Rotweine, weil die Rotweine für die Chips geschmacklich zu  dominant sind.
  •  Schärfere und stark gewürzte Sorten passen gut zu kräftigen Weinen. Das bedeutet bei weiß z.B. Weine, die im Fass ausgebaut wurden (oder als billigere Alternative – wenn man das möchte – mit Eichenholz-Chips aromatisierte), oder aromatische Sorten wie z.B. Sauvignon Blanc.
  • Rotweine können entweder im Fass oder im Stahltank ausgebaut sein, aber wenn Stahltank dann sollten es kräftigere Rebsorten wie z.B. Malbec oder Shiraz sein.
  • Halbtrockene Weißweine passen gut zu salzigen Chips, hervorragend aber zu allen süß-sauer oder süß-scharfen Sorten, also allem exotischen.

Dies sind die Erkenntnisse, die ich bei der Auswertung des Blair-Chips-Projekts gewonnen habe, und sie haben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Entscheidend bei jeglichen Wein und Speise-Kombinationen ist immer der persönliche Geschmack!

 

 

5 Kommentare zu „Das Blair-Chips-Projekt“

  1. Finde ich eine schöne Idee! Ich würde nur eine Einschränkung machen und keine Chips mit Geschmacksverstärkern und / oder Hefeextrakten verwenden, das mag ich gar nicht und es schlägt sich erheblich auf das (bzw. mein) Geschmacksempfinden nieder.
    Aber sonst: Alles was Spaß macht (und niemandem schadet) ist gut!

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    1. Stimmt, wir hatten zwei Packungen ohne dabei. Ich hatte die Reihenfolge bei den Chips und bei den Weinen aufsteigend gewählt, also leichtere zuerst. Die naturbelassenen wirkten im Vergleich zu den anderen fast fade, obwohl sie für sich eigentlich ganz gut schmeckten.

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  2. Ja, das ist das Vertrackte an Designer-Food. Erdbeer-Joghurt ohne Erdbeeren -also nur mit Aromastoffen- schmeckt vielen Leuten auch besser als eins mit richtigen Erdbeeren. Wir laufen Gefahr, das richtige Schmecken zu verlernen…

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  3. Ich kann das nicht beurteilen, ich habe nur eine subjektive Einschätzung diesbezüglich. Und die besagt, daß die Leute mit bewußtem Geschmack (egal welcher) schwer in der Minderheit sind. Trotz einer Unzahl von Kochsendungen im TV etc. Die große Mehrheit steht auf Discounter-Food. Teils aus Mangel an Interesse an was Anderem, aber häufig einfach aus dem banalen Grund, daß die Kohle für was Anderes einfach nicht ausreicht…

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