Bacchantina trifft Satyricon

Geburtsstunde eines Weinblogs

Herzlich willkommen!

Wie ließe sich dieser Blog schöner eröffnen, als mit dem Zusammentreffen der beiden Wesen aus der Antike, deren Name er trägt? „Bacchantina“ habe ich abgeleitet von Bacchus, dem römischen Gott des Weines. In der griechischen Mythologie ist er bekannt als Dionysos. Er steht für Fruchtbarkeit, Lebensfreude, Liebe zum Wein sowie allem damit verbundenen Spaß und Laster. Begleitet wurde er von Naturgeistern mit Hufen und Hörnern, den Faunen, die weiblichen Wesen hießen Bacchae. Ihre griechischen Pendants werden Satyrn genannt.

Satyricon ist der Name des Weines, den ich nun -sozusagen als Initial-Tasting- im Glas habe. Allerdings war es nicht der Name, weswegen mir die Flasche auf dem Weingut „La Vierge“ in Südafrika sofort ins Auge fiel, sondern die Rebsorten-Zusammensetzung: Sangiovese mit Nebbiolo. Eine Liaison der zwei Trauben, die die größten Weine Italiens hervorbringen: Brunello und Barolo. Eine Cuvée, die in Europa nicht anzutreffen sein dürfte. Denn beide Rebsorten kommen zwar aus Italien, werden dort aber in unterschiedlichen Regionen kultiviert.

Sangiovese

Die Sangiovese-Traube wird von Mittel- bis Süditalien angebaut, bringt aber ihre besten und berühmtesten Vertreter in der Toskana hervor, z.B. Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano oder Chianti. Sangiovese erbringt säure- und tanninbetonte Weine mit roter Fruchtaromatik und erdig-würzigen Noten, die sich gut für eine lange Lagerung eignen.

Der bekannteste Tropfen aus dieser Sorte ist sicherlich der weltweit meistexportierte Wein Chianti, der aber mit anderen Sorten verschnitten sein darf. Anders beim edlen Brunello di Montalcino: Hier schreibt das Gesetz neben strikten Ertragsbegrenzungen eine Sortenreinheit vor, er muss also aus 100% Sangiovese bestehen. Bevor er in den Handel kommt, muss er mindestens fünf Jahre reifen, hiervon wiederum mindestens zwei Jahre im Fass.

 Nebbiolo

Nebbiolo ist die Edelrebe des Piemont und sehr anspruchsvoll, was Boden und Lage betrifft. Die dünnschalige Traube reift sehr spät, weshalb je nach Herbstwetter die Jahrgänge sehr unterschiedlich ausfallen können. Die Weine sind von mittlerer Farbintensität mit hohem Säure- und Tanningehalt, was auch sie für eine lange Lagerung prädestiniert. Das Aromenspektrum reicht von Sauerkirsche über Rosen bis hin zu Teer und Lakritz.

Der Barolo stammt aus der gleichnamigen Gemeinde im Piemont und deren benachbarten Orte, auf die sich die Rebflächen ausdehnen. Auch er muss sortenrein gekeltert werden und hat eine vorgeschriebene Reifezeit von drei Jahren, davon mindestens 18 Monate im Fass. Für mit „Riserva“ deklarierte Baroli gilt eine Reifezeit von fünf Jahren mit gleicher Fassreife.

 Das Weingut

„La Vierge“ ist eines der Weingüter im südafrikanischen Hemel-en-Aarde-Valley, nahe der Küstenstadt Hermanus. Das wunderschöne, von Weinbergen durchzogene Gebiet gehört zum District Walker Bay, dem renommiertesten Weinbaubereich in der Region Cape South Coast. Dank der kühlenden Atlantik-Winde können hier Sorten gedeihen, die kühles bis gemäßigtes Klima bevorzugen.

Sehr gerne erinnere ich mich an die herrliche Landschaft, das tolle Essen und die wunderbaren Weine aus der Gegend zurück und freue mich umso mehr über das Souvenir in meinem Glas.

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 Der Wein

In der Nase ein bacchantischer Reigen von roten Beeren und Kirschen, Gewürzen, Blumen und Waldboden. Das Eichenfass unterlegt das ganze sanft mit südafrikanischem Rhythmus: Karamell und Raucharomen, die die Flammen eines Braai vor dem inneren Auge tanzen lassen.

Beim ersten Schluck gibt zweifellos der Sangiovese den Takt an. Rote Beerenfrucht, erdig-würzige Komponenten und ganz klar Karamell. Der Nebbiolo schwingt tief unten bereits mit und verleiht dem Wein Komplexität. Nach und nach offenbart er sich, verdrängt den Sangiovese aber nicht, sondern steht nach einem Pas de deux plötzlich mit Kirschen, Veilchen, Pilzen und rauchigeren Röstaromen im Scheinwerferlicht.

Ein moderner Wein, besitzt aber stilvolle Klassik. Die ganze Eleganz eines Italieners vereint mit dem Temperament Südafrikas. Ausgewogen und vollmundig, präsente, aber weiche Tannine mit angenehmer Säurestruktur. Herrlich zum so genießen, aber auch als Begleitung zu Rind, Lamm und Wildgerichten.

Satyricon

 P.S.

Leider musste ich beim Lesen des Satyricon-Rückenetiketts feststellen, dass meine Interpretation des Namens falsch war: Er hat nichts mit Satyr zu tun sondern ist der Titel einer antiken satirischen Schrift von Gaius Petronius. Schade, hätte so gut gepasst…

Bacchantina als Figur wurde entworfen von Catrina Caminetti.

Bacchantina_Endfassung

2 Kommentare zu „Bacchantina trifft Satyricon“

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